Der internationale Tourismus ist nach einem äußerst schwierigen Jahr 2009 auf dem Wege zur Erholung

Semmler

(UNWTO) Das Wachstum kehrte im letzten Quartal des Jahres 2009 zurück und machte die Ergebnisse für das Jahr als Ganzes nicht so enttäuschend, wie ursprünglich vorhergesagt, so die neueste Ausgabe des Welt-Tourismus-Barometers der UNWTO. Die internationalen touristischen Ankünfte* sind im Jahr 2009 schätzungsweise um 4% zurückgegangen sind. Die Aussichten sind ebenfalls verbessert, mit einer voraussichtlichen Wachstumsrate zwischen 3% und 4% für das Jahr 2010. Dieser Optimismus wird durch die erhebliche Zunahme des Vertrauensindex der Expertengruppe der UNWTO bestätigt.2009: Rückkehr zum Wachstum im letzten Quartal

Die internationalen Reisen für Business, Freizeit oder für andere Zwecke gingen im Jahr 2009 um 4% zurück und lagen bei 880 Millionen. Diese Schätzungen stellen eine leichte Verbesserung gegenüber den bisherigen Prognosen infolge eines 2%igen Aufschwungs im vierten Quartal dar. Allerdings waren zuvor in den ersten drei Quartalen die internationalen touristischen Ankünfte um 10%, 7% bzw. 2% zurückgegangen. Die Regionen Asien-Pazifik und der Nahe Osten führen die Erholung an, da sich das Wachstum in den beiden Regionen schon in der zweiten Hälfte des Jahres 2009 zum Positiven entwickelte.

"Die weltweite Wirtschaftskrise gepaart mit der Unsicherheit über eine Schweinegrippe-Pandemie machten das Jahr 2009 zu einem der schwierigsten Jahre für den Tourismussektor", sagte der Generalsekretär der UNWTO, Taleb Rifai. "Aber die Ergebnisse der letzten Monate deuten an, dass der Umschwung bereits im Gange ist, auch früher und rascher als ursprünglich erwartet", fügte er hinzu.

Die Erfahrung zeigt, dass die Einnahmen aus dem Tourismus eng der Entwicklung der Ankünfte folgen, auch wenn sie häufig stärker unter schlechten Zeiten leiden. Auf der Grundlage der Trends in den ersten drei Quartalen wird geschätzt, dass die Einnahmen des Jahres 2009 um rund 6% gefallen sind. Zwar ist dies ein enttäuschendes Ergebnis für eine Branche, die ein stetiges Wachstum gewöhnt ist, kann aber auch als ein Zeichen der relativen Stärke interpretiert werden angesichts des extrem schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes. Diese Auslegung wird noch deutlicher beim Vergleich dieser Zahlen mit dem geschätzten Rückgang von 12% der weltweiten Exporte als Folge der globalen Krise.

Wie in früheren Krisen, reisten die Verbraucher im Jahr 2009 eher an Zielorte näher zu ihrer Heimat . Der Inlandstourismus hat die Krise besser überstanden und hat in mehreren Zielgebieten sogar ein deutliches Wachstum verzeichnet, dies häufig mit der Unterstützung besonderer Maßnahmen seitens der Regierung . Dies war unter anderem der Fall in Ländern wie Brasilien, China und Spanien, wo der Inlandsmarkt, der einen bedeutenden Anteil der Gesamtnachfrage ausmacht, dazu beigetragen hat, den Rückgang im internationalen Tourismus teilweise auszugleichen.

Regionale Übersicht

Außer Afrika, das der weltweiten Tendenz widerstand, hatten alle anderen Regionen 2009 negative Ergebnisse:

  • Europa beendete das Jahr mit einem Rückgang von 6% nach einem sehr schwierigen ersten Halbjahr (-10%). Insbesondere wurden die Zielgebiete in Mittel-, Ost- und Nordeuropa schwer getroffen, während die Ergebnisse für Westeuropa, Südeuropa und rund ums Mittelmeer etwas besser waren.

  • Asien und Pazifik (-2%) verzeichneten einen bemerkenswerten Aufschwung. Nachdem die Ankünfte zwischen Januar und Juni um 7% sanken, weist ein Wachstum von 3% in der zweiten Hälfte des Jahres 2009 auf verbesserte Wirtschaftsleistung in der Region und ihre Perspektiven hin.

  • In Amerika (-5%) kehrte die Karibik in den letzten vier Monaten des Jahres 2009 auf den Weg des Wachstums zurück. Das Ergebnis war in anderen Subregionen schwächer, die seit dem Ausbruch der Influenza A (H1N1) verschärft die Auswirkungen der Wirtschaftskrise verspürten.

  • Naher Osten (-6%): obwohl noch weit entfernt von den Wachstumsraten der vergangenen Jahre gab es positive Ergebnisse in der zweiten Hälfte des Jahres.

  • Afrika (+5%) hatte eine starke Leistung, in den Subsahara-Länder** wurden die besten Ergebnisse verzeichnet.

2010: Verbesserte Perspektiven in einem "Jahr der Transformation"

Vor dem Hintergrund der steigenden Zahl der internationalen Tourismus- und Wirtschaftsindikatoren in den letzten Monaten erwartet die UNWTO ein Wachstum des internationalen Tourismus zwischen 3% und 4% im Jahr 2010. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor kurzem gemeldet, dass die weltweite Erholung signifikant höher als erwartet sein wird, verglichen mit seiner Bewertung im Oktober, die bereits eine klare Rückkehr zum Wachstum im Jahr 2010 enthalten hat (3,1% weltweit mit einer stärkeren Leistung in aufstrebenden Volkswirtschaften mit 5,1%, gefolgt von den fortgeschrittenen Volkswirtschaften mit +1,3%).

Nach Regionen wird erwartet, dass Asien das Wachstum am stärksten fortsetzen wird, während sich Europa und Amerika in einem langsameren Tempo erholen. Im Nahe Osten wird wieder Wachstum haben, während Afrika seinen positiven Trend beibehalten und einen weiteren Schub erhalten wird dank der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Diese verbesserte Aussichten werden durch einen bemerkenswert steilen Anstieg des Vertrauensindex der Expertengruppe der UNWTO bestätigt, trotz der anhaltenden Unsicherheit hinsichtlich der globalen Wirtschaft und des Umfeldes, in dem der Tourismus sich befindet. Die Aussichten für dieses Jahr liegen nach Ansicht von Experten mit 62% bei "besser" oder "viel besser als erwartet" und liegen damit weit über "ähnlich wie" (32%) oder "schlechter" (7%). Der Durchschnittswert für 2010 (131), liegt weit über dem neutralen Wert 100 und nähert sich dem Niveau der Boom-Jahre zwischen 2004 und 2007.

Insgesamt verspricht 2010 ein "Jahr der Transformation" zu sein und zahlreiche Chancen für Wachstum zu bieten, aber die Gefahr von Rückschlägen ist noch nicht beseitigt.Chancen zur Aufwärtsentwicklung:

  • Das Vertrauen der Unternehmen und der Verbraucher hat zugenommen.

  • Die Zinsen und die Inflation sind weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau und auf kurze Sicht wird nur eine geringe Zunahme erwartet.

  • Abschwüngen folgt oft ein Aufschwung durch aufgestaute Nachfrage und die Zielgebiete werden diese Gelegenheit aktiv nutzen.

  • Es bestehen Chancen auf eine Verbesserung in den Quellmärkten, die im Jahr 2009 stark gelitten haben, wie z.B. die Russische Föderation und das Vereinigte Königreich.

  • Wichtige internationale Ereignisse finden statt: in Südafrika (FIFA World Cup), in Kanada (Olympische Winterspiele) und in China (Shanghai Expo), wodurch weiteres Potenzial für Reisen entsteht.

  • Es wird erwartet, dass die Dynamik des Geistes der Zusammenarbeit und der Partnerschaft in der Krise durch die Interessengruppen aufrecht erhalten bleibt.

  • Die Flexibilität, die der Sektor mit plötzlichen Schwankungen in der Nachfrage und volatilen Märkten zu bewältigen gezeigt hat, ist stärker geworden.

  • Die Krise bot die Gelegenheit, strukturelle Schwächen zu beseitigen und Strategien umzusetzen, um nachhaltige Entwicklung und wirtschaftlichen Wandel in Richtung Ökologie zu fördern.

Gefahr der Abwärtsentwicklung

  • Die Arbeitslosigkeit ist eine zentrale Herausforderung. Die Krise auf dem Arbeitsmarkt ist noch nicht zu Ende. Vor allem in größeren entwickelten Volkswirtschaften sind viele wertvolle menschliche Ressourcen immer noch gefährdet.

  • Das Wirtschaftswachstum in den wichtigsten Quellmärkte, insbesondere in Europa und den Vereinigten Staaten, ist nach wie vor schwach.

  • Durch die Erhöhung der öffentlichen Defizite ist wahrscheinlich, dass Anreize schrittweise beseitigt werden. Es ist möglich, dass in manchen Industrieländern eine mögliche Erhöhung der Steuerbelastung zusätzliche Schwierigkeiten für private und gewerbliche Haushalte bedeuten.

  • Die Ölpreise bleiben volatil.

  • Obwohl die globalen Auswirkungen der Influenza A (H1N1) weit milder als erwartet waren, lehrt die Erfahrung mit früheren Pandemien, dass die Situation sich wieder verkomplizieren könnte.

  • Die Sicherheitsbedrohungen bleiben und es ist möglich, dass die Unannehmlichkeiten und die Kosten für die Reisenden eine Herausforderung darstellen.

  • Es wird erwartet, dass sich Umsatz und Gewinn in einem langsameren Tempo erholen als das Reisevolumen.

Obwohl die Aussichten sich verbessert haben, wird 2010 noch ein schwieriges Jahr. "Viele Länder reagierten schnell auf die Krise und ergriffen aktive Maßnahmen zur Milderung ihrer Auswirkungen und zur Stimulierung der Nachfrage. Dennoch erwarten wir 2010 eine Rückkehr zum Wachstum, das Tempo der Erholung im Tourismus könnte aber durch einen vorzeitigen Rückgang der stimulierenden Maßnahmen und die Versuchung, zusätzliche Steuern zu erheben, gefährdet werden. Wie im Plan der UNWTO für die wirtschaftliche Erholung festgehalten ist, kann die Branche einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftsaufschwung leisten, vor allem als primäres Instrument für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Umwandlung in eine ökologische Wirtschaft. Aber wir brauchen eine strengere globale Politik zur Förderung des Tourismus ", sagte Herr Rifai.

Anmerkungen:
* die UNWTO nimmt die Zahl der Ankünfte am Zielort als Grundlage ihrer Zählung
** der gesamte Teil des afrikanischen Kontinents südlich der Sahara