FINANZINVESTOREN IN DER TOURISMUSBRANCHE
Nur die Rendite zählt
Die Wirtschaft verändert sich, weil sich das Eigentum an großen
Unternehmen zunehmend auf institutionelle Anleger konzentriert:
Investment- und Pensionsfonds dringen machtvoller als Kleinanleger auf
hohe Eigenkapitalrenditen, denken aber anders als sonstige
Großeigentümer.
Trotz Rekordgewinnen bauen viele Unternehmen Beschäftigung ab. Ein
Grund: Sie stehen unter starkem Druck, dem Kapitalmarkt üppige Renditen
zu liefern. Die Konkurrenz der Investment- und Pensionsfonds um Anleger
treibt die Renditeerwartungen in die Höhe. Die Attraktivität eines
Fonds für neue Kunden hängt von seinen bisherigen Erträgen ab: Erzielt
ein Fondsmanager eine Rendite, die 1 Prozent über dem Schnitt der
Konkurrenten liegt, kann er im Folgejahr mit 1,3 Prozent mehr Einlagen
rechnen, so eine Untersuchung in den USA. Ein nicht konkurrenzfähiges
Ergebnis gefährdet hingegen seinen Arbeitsplatz.
Private-Equity-Fonds werden in der europäischen Wirtschaft zu immer
einflussreicheren Akteuren. Die wachsende Verfügbarkeit von Kapital
erlaubt ihnen mehr und größere Deals. Zugleich häufen sich aber auch
die Hinweise auf mögliche Gefahren. Ein grundsätzliches Problem nennt
die britische Finanzaufsicht FSA: Es treten Marktteilnehmer auf,
"deren Geschäftsmodell gar nicht vorsieht, dass notleidende
Unternehmen überleben".
Investmentfonds geben den Konkurrenzdruck an die Unternehmen weiter,
deren Anteile sie besitzen. Sie bedienen sich einer Doppelstrategie von
Exit und Voice. Exit: Die Fonds erwerben selten mehr als zwei Prozent
an einem Unternehmen. So können sie ihre Aktien jederzeit verkaufen und
in eine renditeträchtigere Anlage umleiten. Im Schnitt verabschieden
sich Fonds nach 20 Monaten von ihren Investitionen. Die Verkaufsdrohung
macht wegen zu erwartenden Kursverlusten das Management gegenüber den
Forderungen der Fonds gefügig. Voice: Obwohl sie in der Regel nur
Minderheitsgesellschafter sind, finden sie auch auf Hauptversammlungen
von Aktiengesellschaften Gehör. Stimmen sich 20 Fonds mit je zwei
Prozent ab, ist das eine relevante Gruppe. Die Kombination von Exit und
Voice kann Unternehmen schaden. Die TUI AG hatte in den vergangenen
Jahren unter einem enormen Druck der Investmentfonds gestanden, eine
ganze Serie von Umstrukturierungen, Sozialplänen und Arbeitsplatzabbau
war die Folge
In der europäischen Reise- und Tourismusbranche sind Aktivitäten von
Finanzinvestoren in vielen Sektoren anzutreffen. Hilton, AVIS, TUI und
Amadeus sind nur ein kleiner Ausschnitt.